Geschichte: Aus dem Fröhlichenstein wurde der Theresienstein - der Bürgerpark der Stadt Hof

Der Theresienstein kann auf eine fast 200-jährige Geschichte zurückblicken. Er ist damit eine der ältesten von Bürgern angelegten Parkanlagen in Bayern. 1816 entstanden die ersten Pläne den in Gemeindebesitz befindlichen Fröhlichenstein - einen Doppelfelsen an der Ahrleite - besser zugängig zu machen und mit Bäumen zu bepflanzen. Der Fröhlichenstein war ein beliebter Aussichtspunkt mit freiem Blick auf Saale und Stadt, den schon der Dichter Jean Paul schätzte und in seinem "Siebenkäs" beschrieb. Jean Paul erlebte ihn allerdings nahezu baumlos, denn Ende des 18. Jahrhunderts hatte ein verheerender Nonnen- und Raupenfraß den Baumbestand fast vollständig vernichtet.

1817 wurde mit den ersten Anpflanzungen begonnen. In Serpentinen angelegte Wege und Treppen erschlossen den Aufstieg. Auf dem höchsten Punkt, dem Doppelfelsen selbst, errichtete man 1818 einen hölzernen Rundbau, den sogenannten Sonnentempel. Er wurde 1848 wegen Baufälligkeit abgetragen. Der heutige Bau entstand 1993/94 zur Landesgartenschau.

Blick vom Fröhlichenstein um 1830

1828 erfolgte eine Erweiterung der Parkanlage nach Westen bis zum Sand. Der neu hinzugekommene Teil wurde 1829 nach Plänen des Architekten Georg Erhart Saher angepflanzt.

1831 errichtete die Stadt ein Wirtschaftsgebäude - Vorgänger des heutigen Hauses Theresienstein. Wegen des starken Zuspruchs musste das Gebäude schon fünf Jahre später durch den Anbau von zwei Flügeln erweitert werden. Im selben Jahr wurde auch das sogenannte Heerdegenhäuschen errichtet. Der Großhändler und Magistratsrat Moritz Heerdegen hatte sowohl die Erweiterung des Wirtschaftsgebäudes wie auch den Bau des nach ihm benannten Gartenhauses finanziert. Heerdegen war der Erste in der langen Reihe von Hofer Bürgern, die sich als Spender und Mäzene für den Theresienstein einsetzten. Ihnen sind große Teile der heutigen Parkfläche zu verdanken. Auch der erste Musikpavillon auf dem Konzertplatz vor dem Wirtschaftsgebäude entstand 1872 mit Mitteln der Brandstetter'schen Theresienstein-Stiftung.

1836 erhielt der Fröhlichenstein seinen heutigen Namen. Anlass war königlicher Besuch. Von Franzensbad kommend traf sich am 22. August 1836 Königin Therese v. Bayern, in Begleitung ihres Sohnes, König Otto von Griechenland, mit ihren Eltern, dem Herzog und der Herzogin von Sachsen- Altenburg in Hof. Die hohen Herrschaften nahmen sich die Zeit, nicht nur die nach dem Stadtbrand von 1823 wiederaufgebaute Stadt, sondern auch die neu geschaffene Parkanlage am "Fröhlichenstein" zu besichtigen.

Der Bitte der Stadt in Gedenken an jenen Besuch, die Anlage "Theresienstein" nennen zu dürfen, hat Königin Therese - wie es hieß - "allergnädigst entsprochen." So wurde aus dem "Fröhlichenstein" der "Theresienstein".

Das erste Wirtschaftsgebäude am Theresienstein um 1855

Die weitere Entwicklung der Parkanlage ist untrennbar mit dem seit 1861 tätigen Stadtbaurat Johann Gottlob Thomas (1825 - 1901) verbunden. Ihm wurde 1873 die Pflege des Theresiensteins übertragen, eine Aufgabe, der er sich mit vollem Einsatz widmete. Auf seinen Vorschlag hin war bereits 1870 mit der Aufforstung des 1797, nach massivem Borkenkäferbefall, komplett abgeholzten Labyrinthberges begonnen worden.

Thomas verstand es, die Hofer Bürger für den Theresienstein zu gewinnen. Eine Spendenaktion ermöglichte 1874 die Anlage des Teppichbeetes samt Bau eines Springbrunnens. Der Erfolg dieser ersten Aktion veranlasste Thomas 1875, nach dem Vorbild anderer Städte, einen Verschönerungsverein zu gründen. Der Verein hatte zum Ziel, die Verschönerung der Stadt und ihrer Umgebung anzuregen, und zu fördern. In seiner Gründungsrede konnte Thomas als 1. Vorsitzender darauf hinweisen, daß der Verein bereits mehr als 400 Mitglieder zähle. Bis zur Jahrhundertwende wuchs der Verein auf über 1.000 Mitglieder an. Der Verein war zwar auch anderweitig aktiv, Schwerpunkt seiner Tätigkeit war aber die Aufwertung und Erweiterung der Parkanlagen am Theresienstein. Der Verein finanzierte Pflanzungen und Baumaßnahmen und tätigte selbst Grundstückskäufe. Dabei erwies sich Gottlob Thomas als Meister im Erschließen von Geldquellen.

1877 errichtete der Verein auf dem Labyrinthberg eine künstliche Burgruine mit einem 16 m hohen Aussichtsturm. Zum durch Spenden finanzierten Bau steuerte die Stadt das Baumaterial bei. 1893 wurde die künstliche Burgruine durch Anbauten vergrößert.

Bei den Erweiterungen der Parkanlage legte Gottlob Thomas großen Wert auf die Schaffung von Durchblicken, Blickachsen und Blickbezügen zur Stadt. So entstand

1885 nach seinen Plänen nördlich des Wirtschaftsgebäudes die "Thomashöhe", ein auf einem "neu aufgeworfenen Hügel", errichteter chinesischer Aussichtsturm. Die Baukosten wurden durch Spenden der "Freunde des Theresiensteins" gedeckt, ergänzt durch Mittel des Verschönerungsvereins. Der ursprüngliche Turm wurde 1952 wegen Baufälligkeit abgerissen. Der heutige Turm wurde 1993 zur Landesgartenschau errichtet. Seine Architektur lehnt sich an den historischen Entwurf von Gottlieb Thomas an.

Entwurfszeichnung für Aussichtspavillon auf der Thomashöhe, 1885

1899 legte Gottlieb Thomas sein Amt als Stadtbaurat nieder, behielt aber weiterhin bis zu seinem Tode 1901 die Aufsicht über die Parkanlage, die durch großzügige Stiftungen Hofer Bürger erheblich gewachsen war. Die Erweiterungen: Franckshöhe (1880), Ströll-Anlage (1895), Münch-Ferber-Anlage (1896), Wißmath-Anlage (1896), Robert-Wunnerlich-Anlage (1899), Alfred-Klunker-Anlage (1899) und Moritz Franck-Anlage (1899) wurden nach ihren Stiftern benannt. Neben diesen auf den Verschönerungsverein eingetragenen Arealen vergrößerte auch die Stadt ihren Grundbesitz am Theresienstein.

Gedenkstein für Gottlob Thomas

Im Jahr 1900 beschloß der Stadtmagistrat, das bisherige Wirtschaftsgebäude durch einen großzügigen Neubau zu ersetzen. Das nach Plänen des neuen Leiters des Stadtbauamtes, Albert Mollweide, im Jugendstil errichtete Gebäude wurde im Februar 1904 offiziell eröffnet. Mit dem Wirtschaftsgebäude entstand auch der neue Musikpavillon.

Auch nach dem Tode von Gottlob Thomas wurde die Erweiterung des Theresiensteins fortgeführt. 1904/05 wurde der Bismarcksee im Lettenbachgrund angelegt, die Anpflanzung der Geierleite begonnen und bis 1909 fertigstellt. 1912 wurde die Moritz-Franck-Anlage durch Zukauf und Anpflanzung von angrenzenden Feldern vergrößert.

Eine der schönsten Staffagebauten im Theresienstein - der Weisheitstempel - entstand 1907. Er ist eine Schenkung der Brüder Weisheit und wurde in der Wißmath-Anlage aufgestellt.

Der Beginn des 1. Weltkriegs 1914 setzte der Weiterentwicklung des Theresiensteins ein vorläufiges Ende. 1919 mußte der Verschönerungsverein seine Tätigkeit für die Parkanlage einstellen. Die misslichen wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege und die stark rückläufige Mitgliederzahl machten es dem Verein unmöglich, wie bisher die Kosten für den Unterhalt der Anlagen aus eigenen Mitteln aufzubringen. Der Verein sah sich daher gezwungen seine von ihm geschaffenen und nach und nach erweiterten Anlagen mit einer Gesamtfläche von 25,2 ha und einem Wert von 130.000 RM der Stadt zu übertragen. Die Schenkung an die Stadt wurde 1921 beurkundet. Der städtische Besitz beschränkte sich bis dahin hauptsächlich auf den unteren Teil des Theresiensteins (sog. Vorderer und hinterer Theresienstein) mit 12,8 ha. Durch die Schenkung erhöhte er sich auf 38 ha. Eine Grunddienstbarkeit verpflichtete die Stadt die abgetretenen Grundstücke für alle Zeiten als öffentliche Anlagen zu erhalten und zu pflegen.

Durch Zukäufe der Stadt ab 1927 im Bereich Gumpertsreuther Weg/Alte Plauener Straße und am Eichelberg wuchs der Park bis 1934 auf 46,7 ha. Auf einem Teil der zugekauften Fläche entstand in den Jahren 1929 bis 1932 der Botanische Garten.

Als letzte größere Maßnahme vor dem 2. Weltkrieg wurde 1936 im Lettenbachgrund oberhalb des Bismarcksees der Eichelbergsee angelegt. Durch Erwerbungen ab 1969 im Bereich Eichelberg, Geierleite, des Lettenbachsees und der Müller-Anlage erfuhr der Theresienstein nochmals einen erheblichen Flächenzuwachs auf seine derzeitige Größe von rund 62 ha.

Die gesamte Parkanlage steht als gartenbauliches Denkmal unter Denkmalschutz. Sie ist in der 1. Denkmalliste für Oberfranken von 1986 verzeichnet. Die Prüfung der Denkmalwürdigkeit und Qualifizierung war im Jahr 1981 erfolgt.

1994 war der Intensivbereich des Theresiensteins Teil der bayerischen Landesgartenschau. 2003 erhielt der Bürgerpark Theresienstein die Auszeichnung "Schönster Park Deutschlands".

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